Hallo zusammen,
noch ein Fund von der letzten Vereinsexkursion in Damüls. Diese Kohlenbeere (Hypoxylon) habe ich auf einem toten Laubholzast (vmtl. Eberesche) im Nadelwald mit eingestreuten Laubsträuchern gefunden.
Die Ostiolen sehen für mich nabelförmig aus. Zumindest kann ich nichts erkennen, das signifikant aus der Oberfläche heraus stehen würde.
Der Test mit KOH 10% ergibt für mich einen bernsteinfarbenen Farbton.
Die Perthecien sind eiförmig und 350 - 500 um hoch.
Die Sporen sind [12.1-15.2] x [5.3-7.0] um groß, Q = [2.0-2.6], N = 21, und besitzen einen geraden, manchmal leicht sinusförmigen Keimspalt.
Der Apikalring der Schläuche ist amyloid und verfärbt sich bei Zugabe von Lugol bläulich.
Für die Bestimmung habe ich den Schlüssel von M. Enderle: Die Gattung Hypoxylon Bull. ex Fr. im Ulmer Raum (1981) benutzt: 1) Sporen nicht klein, d.h. größer als (6) 7-9(10) um lang , 3- 4(4,5) um breit > 3) Sporen nicht zwischen 9 und 11(12) µm lang und 4 bis 5(6) um breit > 7) Sporen meist zwischen 11 und 15(17) um lang und 5 bis 7(9,5) um breit > 8) Ostiolen ± genabelt (umbilikat) > 9) selten bzw. nie an Fagus wachsend (?) > 11) Stromata und Holz nicht deutlich süßlich riechend, Perithecien weniger breit (0,2- 0,5 um) > 12) Sporen 12-15,5 x 5-6(7) um, Stromata frisch purpurrötlich, später purpurbraun, alt stumpf schwarz; ... = H. fuscum
Bin mir hier aber bei 9) nicht sicher, da ich nicht weiß, wie häufig dieser Pilz auf Buche wächst ;-). Daher habe ich auch noch den "Dichotomous key to European Hypoxylon" auf http://pyrenomycetes.free.fr/hypoxylon/ ... mickey.htm angewendet: Ostiolen genabelt > B) Stromata verbreitet bis polsterförmig > B4) Stromata mit violetter Oberfläche > B5) Ascospores im Schnitt weniger als 15 um lang > B7) KOH-extrahierbare Pigmente bernstein- bis olivfarben, mit gelbgrünen oder braunen Tönen > B8) Stromaoberfläche ohne metallischen Schein; Perithecien kugel- bis eiförmig, nicht schlauchförmig > B9) Ascosporen häufig mit einem sinusförmigen Keimspalt (?) > B11) KOH-extrahierbare Pigmente bernstein- bis olivfarben; Ascospores 11-16 x 5-8 um = H. fuscum
Hier bin ich mir bzgl. B9) nicht ganz sicher. Ich habe zwar einen sinusförmigen Keimspalt beobachtet, aber meist war er doch gerade. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier alles richtig interpretiert habe. Daher wäre ich über Feedback froh.
Gruß,
Bernhard
Hypoxylon cf. fuscum > H. pseudofuscum
Hypoxylon cf. fuscum > H. pseudofuscum
Re: Hypoxylon cf. fuscum
hallo Bernhard,
super wie du alles schon richtig profihaft aufbereitest. Björn hat diese Hypoxylon auch in Arbeit. Für ihn ist es im Moment nur H. spec.
Ich bin gepannt, was da noch heraus kommt.
LG Uschi
super wie du alles schon richtig profihaft aufbereitest. Björn hat diese Hypoxylon auch in Arbeit. Für ihn ist es im Moment nur H. spec.
Ich bin gepannt, was da noch heraus kommt.
LG Uschi
Re: Hypoxylon cf. fuscum
Hallo,
ich habe mich nun intensiver mit der gefundenen Hypoxylon auseinandergesetzt und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
Genutzt werden kann hierfür der aktuellere Schlüssel von Fournier, Koepcke & Stadler 2010 in Mycotaxon 113. Dort befindlich sämtliche damals bekannten europäischen Hypoxylon-Arten. Ich habe dies mit dem Inhalt von pyrenomycetes.free.fr verglichen und komme zum Schluss, dass die Seite vermutlich um 2005 zuletzt aktualisiert wurde, also weniger aktuell ist als der oben genannte Artikel. Trotzdem, Hypoxylon ist ein taxonomisches Pulverfass, das ist auch der Grund für meine Zurückhaltung bei der Bestimmung der Arten.
Warum ist das so?
Hypoxylon sollte zunächst von Nemania, Kretzschmaria, Annulohypoxylon und Jackrogersella zu trennen sein, dies geschieht weitgehend über makromorphologische Unterschiede, die man eigentlich überall nachschauen kann. Wenn es denn gewünscht ist, kann ich hierzu beizeiten ein Thema aufbereiten, um diese Gattungen etwas näher zu beleuchten.
Die Bestimmungsmerkmale innerhalb der Gattung Hypoxylon sind folgende:
Makroskopisch: Perithezienöffnungen (eingesenkt, papillat), Stromafarbe außen und innen, Perithezienform und -größe.
Ökologisch: Substrat, wahrscheinlich auch Höhenstufe, Klimazone.
Chemisch: Farbton KOH-löslicher Pigmente
Mikroskopisch: Sporenmaße, Sporenform; Lage, Form und Länge der Keimspalte; Verhalten des Perispor nach KOH; Ascusmorphologie (Maße der Apikalstruktur, Reaktion auf IKI). Fraglich sind Unterschiede in Paraphysen und Wandstruktur. Wahrscheinlich bei nahezu allen Arten gleich.
Befasst man sich mit oben genannten Merkmalen, kommen 5 Arten in Frage: H. fuscum, H. pseudofuscum, H. porphyreum, H. fuscopurpureum, H. fuscoides.
H. pseudofuscum ist im Schlüssel von Fournier et al. 2010 noch gar nicht drin, da diese Art erst von Lambert et al. 2021 beschrieben wurde. Hier muss beachtet werden, dass im Schlüssel von Fournier et al. 2010 aufgrund der Unkenntnis über H. pseudofuscum bzw. generell über den noch unbekannten Artenkomplex H. fuscum agg., H. pseudofuscum wahrscheinlich in H. fuscum integriert vorkommt, diese Art also z.B. auch mit einer recht großen Streuung der Sporenmaße angegeben ist (hier und da taucht eine Länge von "8-20 µm" auf).
Die Unterschiede dieser 5 Arten könnte man in einem Schlüssel zusammenfassen: Nun ist der vorliegende Fund wohl an Sorbus aucuparia gewachsen, welches nach meiner Recherche kaum als Substrat irgendwo angegeben ist. Nach Stadler (pers. comm.) kommt H. fuscum s.str. ausschließlich an Corylus vor, die fällt daher und wohl auch aufgrund der Form der Fruchtkörper (nicht initial kreisrund) raus. Die anderen genannten Pilzarten, namentlich H. porphyreum und H. fuscopurpureum, fallen aufgrund anderer Merkmale wie Keimspalte und Substrat ebenfalls raus. Der vorliegende Fund hat meines Erachtens die größte Ähnlichkeit mit H. pseudofuscum, lediglich das Substrat ist ungewöhnlich. H. pseudofuscum ist von Alnus und Salix bekannt, was aufgrund vorhandener Substratspezifikation anderer Arten andeuten könnte, dass es sich ebenfalls um einen Artenkomplex handelt, zu dem möglicherweise auch unser Fund an Sorbus gehören dürfte.
Zur Beurteilung habe ich etliche eigene Funde von H. fuscum s.str. an Corylus, H. fuscoides an Alnus glutinosa sowie H. pseudofuscum von Alnus alnobetula (Hochtannberg-Salober 22.05.18) verglichen. Viele dieser Funde wurden öffentlich in der Facebook-Gruppe "Ascomycetes of the world" diskutiert, u.A. auch mit Marc Stadler.
Fazit
Ich würde behaupten, dass es sich bei dem Fund um H. pseudofuscum (agg.?) handelt, dieser aber sequenziert werden sollte, besonders aufgrund des Substrats. Die Mykologische Datenbank gibt unter dem Substrat "Sorbus" einen Fund von W. Dämon von 1990 heraus (H. fuscum), welcher nach heutigen Kenntnissen sicher nicht korrekt bestimmt ist.
Björn
ich habe mich nun intensiver mit der gefundenen Hypoxylon auseinandergesetzt und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
Genutzt werden kann hierfür der aktuellere Schlüssel von Fournier, Koepcke & Stadler 2010 in Mycotaxon 113. Dort befindlich sämtliche damals bekannten europäischen Hypoxylon-Arten. Ich habe dies mit dem Inhalt von pyrenomycetes.free.fr verglichen und komme zum Schluss, dass die Seite vermutlich um 2005 zuletzt aktualisiert wurde, also weniger aktuell ist als der oben genannte Artikel. Trotzdem, Hypoxylon ist ein taxonomisches Pulverfass, das ist auch der Grund für meine Zurückhaltung bei der Bestimmung der Arten.
Warum ist das so?
Hypoxylon sollte zunächst von Nemania, Kretzschmaria, Annulohypoxylon und Jackrogersella zu trennen sein, dies geschieht weitgehend über makromorphologische Unterschiede, die man eigentlich überall nachschauen kann. Wenn es denn gewünscht ist, kann ich hierzu beizeiten ein Thema aufbereiten, um diese Gattungen etwas näher zu beleuchten.
Die Bestimmungsmerkmale innerhalb der Gattung Hypoxylon sind folgende:
Makroskopisch: Perithezienöffnungen (eingesenkt, papillat), Stromafarbe außen und innen, Perithezienform und -größe.
Ökologisch: Substrat, wahrscheinlich auch Höhenstufe, Klimazone.
Chemisch: Farbton KOH-löslicher Pigmente
Mikroskopisch: Sporenmaße, Sporenform; Lage, Form und Länge der Keimspalte; Verhalten des Perispor nach KOH; Ascusmorphologie (Maße der Apikalstruktur, Reaktion auf IKI). Fraglich sind Unterschiede in Paraphysen und Wandstruktur. Wahrscheinlich bei nahezu allen Arten gleich.
Befasst man sich mit oben genannten Merkmalen, kommen 5 Arten in Frage: H. fuscum, H. pseudofuscum, H. porphyreum, H. fuscopurpureum, H. fuscoides.
H. pseudofuscum ist im Schlüssel von Fournier et al. 2010 noch gar nicht drin, da diese Art erst von Lambert et al. 2021 beschrieben wurde. Hier muss beachtet werden, dass im Schlüssel von Fournier et al. 2010 aufgrund der Unkenntnis über H. pseudofuscum bzw. generell über den noch unbekannten Artenkomplex H. fuscum agg., H. pseudofuscum wahrscheinlich in H. fuscum integriert vorkommt, diese Art also z.B. auch mit einer recht großen Streuung der Sporenmaße angegeben ist (hier und da taucht eine Länge von "8-20 µm" auf).
Die Unterschiede dieser 5 Arten könnte man in einem Schlüssel zusammenfassen: Nun ist der vorliegende Fund wohl an Sorbus aucuparia gewachsen, welches nach meiner Recherche kaum als Substrat irgendwo angegeben ist. Nach Stadler (pers. comm.) kommt H. fuscum s.str. ausschließlich an Corylus vor, die fällt daher und wohl auch aufgrund der Form der Fruchtkörper (nicht initial kreisrund) raus. Die anderen genannten Pilzarten, namentlich H. porphyreum und H. fuscopurpureum, fallen aufgrund anderer Merkmale wie Keimspalte und Substrat ebenfalls raus. Der vorliegende Fund hat meines Erachtens die größte Ähnlichkeit mit H. pseudofuscum, lediglich das Substrat ist ungewöhnlich. H. pseudofuscum ist von Alnus und Salix bekannt, was aufgrund vorhandener Substratspezifikation anderer Arten andeuten könnte, dass es sich ebenfalls um einen Artenkomplex handelt, zu dem möglicherweise auch unser Fund an Sorbus gehören dürfte.
Zur Beurteilung habe ich etliche eigene Funde von H. fuscum s.str. an Corylus, H. fuscoides an Alnus glutinosa sowie H. pseudofuscum von Alnus alnobetula (Hochtannberg-Salober 22.05.18) verglichen. Viele dieser Funde wurden öffentlich in der Facebook-Gruppe "Ascomycetes of the world" diskutiert, u.A. auch mit Marc Stadler.
Fazit
Ich würde behaupten, dass es sich bei dem Fund um H. pseudofuscum (agg.?) handelt, dieser aber sequenziert werden sollte, besonders aufgrund des Substrats. Die Mykologische Datenbank gibt unter dem Substrat "Sorbus" einen Fund von W. Dämon von 1990 heraus (H. fuscum), welcher nach heutigen Kenntnissen sicher nicht korrekt bestimmt ist.
Björn
Re: Hypoxylon cf. fuscum
oje, es wird alles immer komplizierter oder auch spannender? Ich muss bei solch komplexen Themen eher passen, v. a. auch aus Zeitgründen. Diese habe ich einfach nicht. Künftig wird es wohl mehr Richtung Spezialisierung gehen. So wie du es machst, kann es "Otto Normalverbraucher" aus verschiedensten Gründen nicht.
danke, dass du dein unglaubliches Wissen derart ausführlich mit uns teilst. Interessant ist es allemal!
LG Uschi
danke, dass du dein unglaubliches Wissen derart ausführlich mit uns teilst. Interessant ist es allemal!
LG Uschi