Hallo zusammen,
gestern war ich gemeinsam mit Renate und Andreas in Gaißau unterwegs. Es war weniger winterlich als bei der November-Exkursion und am frühen Nachmittag kam sogar die Sonne heraus. Ich bin mit der Bestimmung noch nicht ganz durch, aber möchte mit euch schon einmal den Zwischenstand teilen:
Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)
Auf Totholz im Auwald.
Birkenporling (Fomitopsis betulina)
Auf Birke im Mischwald.
Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa)
Auf totem Laubholz im Auwald, mit länglichen Poren.
Striegelige Tramete (Trametes hirsuta)
Auf Totholz im Auwald, runde Poren.
Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum s. l.)
Auf totem Laubholz im Auwald.
Gelber Scheinhaarstäubling (Hemitrichia clavata)
Auf totem Laubholz im Auwald. Fokus-Stacking!
Becher-Blauhaar (Pseudolachnea hispidula)
Auf totem Eichenast im Auwald. Neu für mich, daher wäre ich über eine Bestätigung froh. Mehr zu diesem Fund: viewtopic.php?t=113
Fleischroter Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides)
Auf totem Laubholz im Auwald. Die Fruchtkörper sind lediglich 2-3 mm groß. So klein hatte ich diesen auch noch nie, aber aufgrund der Farbe und der Sporen mit den großen Öltropfen sollte der Fall eigentlich recht klar sein.
Soweit einmal ein erster Teil der Funde von meiner Seite.
Gruß,
Bernhard
Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Calycina citrina?
Zitronengelbes Holzbecherchen (Calycina citrina)
Auf Totholz im Mischwald mit überwiegend Kiefer und Eiche.
Stiellos, flach mit glattem Rand. Makroskopisch scheint es recht gut zu passen. Die Sporen sind jedoch mit 13.4-16.3 x 4.8-5.8 um signifikant zu groß. Laut Literatur, z.B. Fungi of Temperate Europe, sollten diese 9-14 x 3-5 um sein. Ebendort steht "when overmature, 2-celled with a constriction at the septum". Das scheint eigentlich wieder gut zu passen.
Bei den Exemplaren auf Asco-Sonneberg sind die Sporen im Allgemeinen auch kleiner. Es gibt jedoch eines, beim dem die Sporen mit 11.1-15.2 x 3.8-5.2 auch recht groß sind: https://asco-sonneberg.de/pages/gallery ... position=4
Vielleicht sind überreife Sporen einfach größer? Oder es handelt sich bei diesem Pilz gar nicht um C. citrina :-(.
Gruß,
Bernhard
Auf Totholz im Mischwald mit überwiegend Kiefer und Eiche.
Stiellos, flach mit glattem Rand. Makroskopisch scheint es recht gut zu passen. Die Sporen sind jedoch mit 13.4-16.3 x 4.8-5.8 um signifikant zu groß. Laut Literatur, z.B. Fungi of Temperate Europe, sollten diese 9-14 x 3-5 um sein. Ebendort steht "when overmature, 2-celled with a constriction at the septum". Das scheint eigentlich wieder gut zu passen.
Bei den Exemplaren auf Asco-Sonneberg sind die Sporen im Allgemeinen auch kleiner. Es gibt jedoch eines, beim dem die Sporen mit 11.1-15.2 x 3.8-5.2 auch recht groß sind: https://asco-sonneberg.de/pages/gallery ... position=4
Vielleicht sind überreife Sporen einfach größer? Oder es handelt sich bei diesem Pilz gar nicht um C. citrina :-(.
Gruß,
Bernhard
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Laubholz-Hörnling (Calocera cornea)
Auf totem Laubholz im Auwald; die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter; Sporen einfach septiert.
Erlen-Kugelpilz (Daldinia petriniae)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion schwach lila, eher farblos; punktförmige hervorstehende Ostiolen; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 12.9-14.5 x 5.9-6.8 um groß, Q = 1.9-2.4; Keimspalt gerade, über die ganze Sporenlänge verlaufend; laut Wollweber und Stadler (2001) kann D. petriniae auch auf Birke vorkommen; haben diesen zwecks Bestätigung auf Pilzfinder.at hochgeladen. Ergänzung 03.01.: Wurde auf Pilzfinder.at bestätigt.
Vielgestaltige Kohlenbeere (Jackrogersella multiformis)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion braun; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 9.2-10.7 x 4.3-5.1 um groß, Q = 1.9-2.3; Substrat und Sporen passen recht gut, aber neu für mich und daher wäre ich froh, wenn mir das jemand bestätigen könnte;
Frühlings-Ring-Glockenschüppling (Pholiotina aporos)
Auf Erde im Auwald; Sporenpulver rostbraun, Sporen 7.1-8.6 x 4.0-4.7 groß, Q = 1.7-2.0, ohne Keimporus;
Gruß,
Bernhard
Auf totem Laubholz im Auwald; die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter; Sporen einfach septiert.
Erlen-Kugelpilz (Daldinia petriniae)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion schwach lila, eher farblos; punktförmige hervorstehende Ostiolen; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 12.9-14.5 x 5.9-6.8 um groß, Q = 1.9-2.4; Keimspalt gerade, über die ganze Sporenlänge verlaufend; laut Wollweber und Stadler (2001) kann D. petriniae auch auf Birke vorkommen; haben diesen zwecks Bestätigung auf Pilzfinder.at hochgeladen. Ergänzung 03.01.: Wurde auf Pilzfinder.at bestätigt.
Vielgestaltige Kohlenbeere (Jackrogersella multiformis)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion braun; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 9.2-10.7 x 4.3-5.1 um groß, Q = 1.9-2.3; Substrat und Sporen passen recht gut, aber neu für mich und daher wäre ich froh, wenn mir das jemand bestätigen könnte;
Frühlings-Ring-Glockenschüppling (Pholiotina aporos)
Auf Erde im Auwald; Sporenpulver rostbraun, Sporen 7.1-8.6 x 4.0-4.7 groß, Q = 1.7-2.0, ohne Keimporus;
Gruß,
Bernhard
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Danke Bernhard für die schöne Präsentation!
Ich hab da auf einem sehr morschen Eichenast am Boden eine
Nemania aureolutea gefunden, falls ich das richtig bestimmt habe...
Das Stoma ist unregelmäßig geformt und besteht aus mehr als 10 Perithezien.
Der Apikalring des Ascus färbt sich in Lugol blau, mit Meltzers jedoch NICHT.
Er ist höher als breit.
Zusammen mit den Sporenmassen von
[ 14.0-14.9-15.8 ] x [ 6.1-6.7-7.1 ] Q = [ 2.0-2.2-2.5 ] N = 24
sollte das Nemania aureolutea sein, bestimmt mit dem Online-Schlüssel von Jacques Fournier und Jean-Francois Magni http://pyrenomycetes.free.fr/nemania/index.htm
Ich hab da auf einem sehr morschen Eichenast am Boden eine
Nemania aureolutea gefunden, falls ich das richtig bestimmt habe...
Das Stoma ist unregelmäßig geformt und besteht aus mehr als 10 Perithezien.
Der Apikalring des Ascus färbt sich in Lugol blau, mit Meltzers jedoch NICHT.
Er ist höher als breit.
Zusammen mit den Sporenmassen von
[ 14.0-14.9-15.8 ] x [ 6.1-6.7-7.1 ] Q = [ 2.0-2.2-2.5 ] N = 24
sollte das Nemania aureolutea sein, bestimmt mit dem Online-Schlüssel von Jacques Fournier und Jean-Francois Magni http://pyrenomycetes.free.fr/nemania/index.htm
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Panellus serotinus - Gelbzottiger Zwergknäueling, Gelbstieliger Muschelseitling
im Auwald auf totem Laubholz
Schizophyllum commune - Gewöhnlicher Spaltblättling
Trametes versicolor - Schmetterlings-Tramete
auf Totholz, ein wunderschönes Exemplar mit den Zonen
Sterum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz
auf Totholz - Birke
Tubaria furfuracea - Gewöhnlicher Trompetenschnitzling
gleich an 2 verschiedenen Stellen gefunden, einmal in einer Gruppe von 5 Stück und ein Einzelner
im Auwald auf totem Laubholz
Schizophyllum commune - Gewöhnlicher Spaltblättling
Trametes versicolor - Schmetterlings-Tramete
auf Totholz, ein wunderschönes Exemplar mit den Zonen
Sterum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz
auf Totholz - Birke
Tubaria furfuracea - Gewöhnlicher Trompetenschnitzling
gleich an 2 verschiedenen Stellen gefunden, einmal in einer Gruppe von 5 Stück und ein Einzelner
Zuletzt geändert von Renate Ammann am Do 8. Jan 2026, 19:28, insgesamt 2-mal geändert.
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Auf einem Weidenast die unregelmäßig rasig ausgebildeten Becherchen des
Rasiges Braunhaarbecherchen - Merismodes anomala
Die braunen Haare sollten an der Spitze nicht mehr granuliert sein, so wie hier zu sehen, hab ich allerdings nur bei der Hälfte der Haare beobachten können.
Gut an grün verfärbenden Zweigen von Laubgehölzen zu erkennen ist der
Grünverfärbender Kohlenpilz - Lophiostoma viridarium
Die Sporen sind 3-fach septiert und längsgestreift
An der Basis eines alten Haselstrauches die
Rotbraune Kohlenbeere - Hypoxylon fuscum
Mit KOH bernsteinfarben
Auf einem Birkenast die auffälligen Stromata des
Birken-Eckenscheibchens - Diatrypella favacea
Sehr schwierig finde ich die weißen Becherchen, hab mich erstmals ernsthaft drübergetraut. Auf einem dicken, umgefallenen Weidenstamm von Renate entdeckt.
Aufgrund der bis zur (verdickten bis kopfigen) Spitze granulierten, rauhen Haare (bis ca. 47 um Länge gemessen) hab ich bei Lachnum gesucht.
Mit Sukova (2005) und dem Word-Schlüssel mittels "Key to European species of Lachnum" bei Ascofrance zu finden bin ich mit Bauchweh beim
Langstieliges Haarbecherchen - Lachnum brevipilosum
gelandet.
Asci IKI+, ca. 55x4.7, Paraphysen bis ca. 3 um breit und ca. 10 um die Asci überragend.
Sporen: [ 8.3-9.3-10.8 ] x [ 2.5-2.8-3.2 ] Q = [ 3.0-3.4-3.8 ] N = 25
Wäre sehr froh über Kommentare bzgl. der Bestimmung von Lachnum und dergleichen...
Danke!
lg
andreas
Rasiges Braunhaarbecherchen - Merismodes anomala
Die braunen Haare sollten an der Spitze nicht mehr granuliert sein, so wie hier zu sehen, hab ich allerdings nur bei der Hälfte der Haare beobachten können.
Gut an grün verfärbenden Zweigen von Laubgehölzen zu erkennen ist der
Grünverfärbender Kohlenpilz - Lophiostoma viridarium
Die Sporen sind 3-fach septiert und längsgestreift
An der Basis eines alten Haselstrauches die
Rotbraune Kohlenbeere - Hypoxylon fuscum
Mit KOH bernsteinfarben
Auf einem Birkenast die auffälligen Stromata des
Birken-Eckenscheibchens - Diatrypella favacea
Sehr schwierig finde ich die weißen Becherchen, hab mich erstmals ernsthaft drübergetraut. Auf einem dicken, umgefallenen Weidenstamm von Renate entdeckt.
Aufgrund der bis zur (verdickten bis kopfigen) Spitze granulierten, rauhen Haare (bis ca. 47 um Länge gemessen) hab ich bei Lachnum gesucht.
Mit Sukova (2005) und dem Word-Schlüssel mittels "Key to European species of Lachnum" bei Ascofrance zu finden bin ich mit Bauchweh beim
Langstieliges Haarbecherchen - Lachnum brevipilosum
gelandet.
Asci IKI+, ca. 55x4.7, Paraphysen bis ca. 3 um breit und ca. 10 um die Asci überragend.
Sporen: [ 8.3-9.3-10.8 ] x [ 2.5-2.8-3.2 ] Q = [ 3.0-3.4-3.8 ] N = 25
Wäre sehr froh über Kommentare bzgl. der Bestimmung von Lachnum und dergleichen...
Danke!
lg
andreas
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Was ich noch zeigen wollte, die wunderschönen Konidiosporen als schwarzer Belage auf einem (Birken?)-Ast, vielleicht kennt das jemand?
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Hallo Andreas,
da ist ja allerhand Spannendes dabei.
Lachnum ist ja bekanntermaßen keine einfache Gattung und ich bin diesbezüglich auch noch recht unerfahren. Trotzdem habe mich vor Weihnachten dann doch auch an eine herangewagt und diese auf Funga Austria gepostet: https://www.funga-austria.at/viewtopic.php?f=39&t=770
Meine ist deinem Fund sehr ähnlich und ich bin mit meiner Bestimmung auch bei Lachnum brevipilosum gelandet. Ich bin gespannt, ob einer der Experten dort meinen Fund bestätigen kann. Bisher habe ich noch keine Antwort erhalten.
Gruß,
Bernhard
da ist ja allerhand Spannendes dabei.
Lachnum ist ja bekanntermaßen keine einfache Gattung und ich bin diesbezüglich auch noch recht unerfahren. Trotzdem habe mich vor Weihnachten dann doch auch an eine herangewagt und diese auf Funga Austria gepostet: https://www.funga-austria.at/viewtopic.php?f=39&t=770
Meine ist deinem Fund sehr ähnlich und ich bin mit meiner Bestimmung auch bei Lachnum brevipilosum gelandet. Ich bin gespannt, ob einer der Experten dort meinen Fund bestätigen kann. Bisher habe ich noch keine Antwort erhalten.
Gruß,
Bernhard
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
liebe ExkursionsteilnehmerIn vom Rheinholz
eure Begehung war wohl sehr erfolgreich und spannend. Wirkliche Hilfe bei den offenen Fragen bin ich überhaupt nicht, da ich mich zu wenig mit Ascomyceten beschäftige.
Laubholz-Hörnling (Calocera cornea) von Bernhard
"... die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter"
alle diese Gallertartigen gelben Pilze wie die Hörnlinge (Calocera), Gallerttränen (Dacrymyces), gelber Zitterling (Tremella mesenterica) etc. werden beim antrocknen orange bis richtig dunkelorange und dann natürlich auch verschrumpelt wenn sie ganz trocknen. Die orange Farbe hat weniger mit dem Alter zu tun als eben mit der Trockenheit. Ins Alter (bei genug Feuchtigkeit) können diese Pilze sogar zerfließen und werden dann heller - Beispiel Dacrymyces stillatus.
LG Uschi
eure Begehung war wohl sehr erfolgreich und spannend. Wirkliche Hilfe bei den offenen Fragen bin ich überhaupt nicht, da ich mich zu wenig mit Ascomyceten beschäftige.
Laubholz-Hörnling (Calocera cornea) von Bernhard
"... die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter"
alle diese Gallertartigen gelben Pilze wie die Hörnlinge (Calocera), Gallerttränen (Dacrymyces), gelber Zitterling (Tremella mesenterica) etc. werden beim antrocknen orange bis richtig dunkelorange und dann natürlich auch verschrumpelt wenn sie ganz trocknen. Die orange Farbe hat weniger mit dem Alter zu tun als eben mit der Trockenheit. Ins Alter (bei genug Feuchtigkeit) können diese Pilze sogar zerfließen und werden dann heller - Beispiel Dacrymyces stillatus.
LG Uschi
Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau
Hallo Andreas,Andreas hat geschrieben: Fr 2. Jan 2026, 14:08 Was ich noch zeigen wollte, die wunderschönen Konidiosporen als schwarzer Belage auf einem (Birken?)-Ast, vielleicht kennt das jemand?
vielleicht etwas in Richtung Prosthemium betulinum, die Anamorphe von Pleomassaria siparia? Die Konidiensporen sind den deinen recht ähnlich und Birke würde auch passen.
Aus: http://ascofrance.fr/uploads/forum_file ... a-0001.pdf
"ANAMORPHIC STAGE. Conidiomata pycnidial, subperidermal, globose to depressed globose, 645–750 μm high, 1420–1800 μm in diameter. Conidiophores unbranched, hyaline, septate. Conidia brown, staurosporous, 56–86 μm in diameter (mean = 71.5 μm, n = 50), with two main arms and 2 or 3 smaller arms. Main arms 37.0–47.5 × 11.5–15.0 μm (mean = 41.5 × 14.0 μm, n = 50), 4–5 transversely septate, with terminal cell hyaline to pale brown. Smaller arms continuous or 1–3 septate, hyaline to pale brown (Fig. 2)."
Oder Prosthemium canba (from the Japanese common name “Kanba (Canba)” meaning birch)?
https://www.jstage.jst.go.jp/article/my ... 46248/_pdf
Gruß,
Bernhard