Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Bernhard »

Hallo zusammen,

gestern fand unsere September-Exkursion am Sonnenkopf bei wunderschönem Spätsommerwetter statt. Ich habe mich zum großen Teil im Hochmoor Weissried - laut Biotopbeschreibung des Landes dem schönsten Moor der Gegend - herumgetrieben: https://vogis.cnv.at/gdi_win_svc/biotop ... opnr=10833
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Hier eine erste Zusammenfassung meiner Funde:

Gefalteter Flechtennabeling, Lichenomphalia ericetorum syn. L. umbellifera
Auf Erde zwischen Moos im Moor; bildet zusammen mit der Grünalge Coccomyxa einen kugeligen, grünlichen Algenbelag (Thallus) auf dem Untergrund, aus dem die kleinen pilzartigen Fruchtkörper emporwachsen;
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Stielbasis mit kugeligem Thallus
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Mutterkorn, Claviceps purpurea
Auf Gras im Moor; eigentlich ein sehr spannender Pilz, da dieser vor allem früher durch den Verzehr von verunreinigtem Mehl das Antoniusfeuer (Ergotismus), eine Vergiftung mit Symptomen wie schweren Gefäßverengungen (Gewebeabsterben/Brand), Krämpfen und Halluzinationen, ausgelöst hat. In exakter Dosierung werden die Inhaltsstoffe medizinisch genutzt, unter anderem als Basis für Migränemittel sowie synthetisch für die Droge LSD.
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Kahler Krempling, Paxillus involutus
An Latschenkiefer im Moor; bzgl. Vergiftung auch ein interessanter Pilz, da bei wiederholtem Verzehr eine Immunreaktion ausgelöst wird, bei der das körpereigene Immunsystem die eigenen roten Blutkörperchen zerstört und die bis zum tödlichen Nierenversagen führen kann.
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Sand-Röhrling, Suillus variegatus
Auf Erde im Moor bei Latschenkiefer;
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Orangefarbener Milchling, Lactarius aurantiacus
Auf Erde im Moor bei Fichte; Oberfläche glänzend und mild schmeckend;
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Reifpilz, Cortinarius caperatus
Auf Erde im Moor bzw. am Waldsaum bei Fichte;
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Kaffeebrauner Scheintrichterling >> Glatthütiger Sumpf-Nabeling, Arrhenia onisca
Auf Erde im Moor bzw. am Waldsaum;
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Fichten-Reizker, Lactarius deterrimus
Auf Erde am Waldsaum bei Fichte;
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Weißer Büschelrasling, Leucocybe connata
Auf Erde an Forststraße-Böschung; bläuliche Verfärbung bei Eisensulfat;
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Violettgrauer Ellerling, Cuphophyllus lacmus
Auf Erde in Alpweide; der ähnliche C. flavipes hat eine gelbliche Stielbasis, welche hier fehlt; auf der Roten Liste unter Stufe 2 (EN / Endangered / Stark gefährdet) angeführt;
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Peziza sp.
Das Becherchen auf Totholz ist noch jung und hat keine reifen Sporen. Daher ist mir leider keine Bestimmung möglich.
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So viel fürs Erste. Weiter Bestimmungen sind noch in Bearbeitung.

Gruß,
Bernhard

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Christian »

Ich möchte auch noch ein paar Impressionen teilen.

Zirben-Röhrling - Suillus plorans
Meiner Erinnerung nach gibt es keine Zirben an der Fundstelle, das waren tendenziell Latschen sowie Preiselbeeren und Heidelbeeren. Laut Wikipedia ist der Zirben-Röhrling oft mit Heidel- oder Preiselbeeren vergesellschaftet (https://de.wikipedia.org/wiki/Zirben-R%C3%B6hrling).
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Spitzgebuckelter Saftling, Großsporiger S. - Hygrocybe acutoconica
Neben der Schotterstraße am Wegesrand.
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Wohlriechender Schneckling, Marzipan-S. - Hygrophorus agathosmus
Intensiver Marzipangeruch, bei Fichte
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Schildborstling
Thomas hat im Moor diese wunderbaren Schildborstlinge gefunden.
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Fundbesprechung bei strahlendem Sonnenschein
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LG Christian

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Uschi »

zuerst danke an Bernhard für seine Präsentation!

lieber Christian, ich habe noch nie gehört, dass Zirben-Röhrlinge (egal welche der 3 Arten) auch mit anderen Pinus-Arten wie z. B. Latschen eine Mykorrhiza bilden. Auch im Schlüssel Klofac, Krisai-Greilhuber ist Pinus cembra angegeben. Dein Hinweis zu den Heidel- und Preiselbeeren ist hier weniger relevant, da der Pilz mit dem Baum die Symbiose eingeht. Die Vaccinium-Arten sind ein Hinweis auf die Bodenbeschaffenheit und die muss neben dem Baum für den Pilz auch passen. Der Zapfen beim ersten Foto links oben schaut für mich wie ein Zirben-Zapfen aus. Das ist weder ein Latschen / Kiefernzapfen noch ein Fichtenzapfen. Also wird da schon eine einzelne Zirbe gewesen sein, eine kleine ist schon ausreichend. Ich werde aber noch Irmgard fragen, da es mich selber interessiert.

schöne Grüße Uschi

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Andreas »

Hallo miteinander,

bei der von Christian erwähnten Scutellinia bin ich inzwischen der Meinung, dass es

Scutellinia olivascens - Breithaariger Kurzhaar-Schildborstling

sein sollte. Hab keine Haare > 0,8 mm gefunden, deshalb schließe ich inzwischen S. crinita aus, die ein sehr ähnliches Sporenornament hat. Bin neugierig, was Thomas dazu sagt
Danke Christian, dass Du mich geholt hast, das wäre ein persönlicher Erstfund!

Literatur: Beñat JEANNEROT (2019): European key to the genus Scutellinia. In: Ascomycete.org, 11(6), 297-208.
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Der Becherling, den Uschi gleich daneben entdeckt hat, ist

Peziza lilacinoalba

Bestimmt mit dem neuen Schlüssel von
N. Van Vooren (2026): Tentative key to the European species of Peziza. Abgerufen unter: ascomycete.org[27.07.2026], .

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Die vermeintliche Pseudoclitocybe cyathiformis - Kaffeebrauner Scheintrichterling im Moor hat sich als

Arrhenia onisca - Glatthütiger Sumpf-Nabeling

herausgestellt. Uschi hatte schon Zweifel aufgrund des Habitats geäußert. Der Pilz ist musicol auf Sphagnum - Torfmoos, der Scheintrichterling in verschiedenen Wäldern beheimatet.
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Ein kleiner schuppiger Saftling ist m.M. nach

Hygrocybe miniata - Mennigroter Filz-Saftling
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Zuletzt geändert von Andreas am Fr 2. Okt 2026, 07:53, insgesamt 2-mal geändert.

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Uschi »

hallo Christian, Irmgard hat sich schon gemeldet und sie bestätigt mir, dass die Zirbenröhrlinge streng an die Zirben gebunden sind.
LG Uschi

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Uschi »

hallo Andreas,
jetzt hatte ich gar nicht gesehen, dass du inzwischen deine Bestimmungen ins Forum gestellt hast! Das sind ja wirklich schöne Funde! Eine etwas ältere Arrhenia onisca hatte ich auch noch als "Entoloma" mit genommen. Das Mikroskop hat dann schnell anders entschieden.

Ich habe noch ein paar Braunsporer, die ich fotografiert, mikroskopiert und dokumentiert habe, aber zum Bestimmen noch nicht dazu gekommen bin. Ich bitte noch um etwas Geduld.

LG Uschi

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Andreas »

Ein vermeintlicher Rötling hat sich meiner Meinung nach als

Mycena megaspora - Großsporiger Torfboden-Helmling

herausgestellt. Das wäre ein toller Fund, vom Aussterben bedroht, zweiter Fund Vbg - erstmals von Gernot 2017 am Sonnenkopf gefunden.
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Eine sehr stattliche Mycena mit "Klobürsten"-Zystiden und großen Sporen [10.5-15.0] x [5.9-7.7] Q = [1.5-2.3] N = 14
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Zuletzt geändert von Andreas am Fr 2. Okt 2026, 06:39, insgesamt 2-mal geändert.

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Andreas »

Hallo Uschi,
ja, wir sind da parallel am Schreiben ;)

Danke für Deine Infos!

lg

Re: Exkursion September 2026 / Sonnenkopf

von Andreas »

auch hier im Moor wieder

Rickenella fibula - Orangeroter Heftelnabeling

Wenn er orange kommt, ist er unverwechselbar, aber oft älter und ausgebleicht sieht er so aus
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Zum Schluss noch zwei Ascos

Lophodermium pinastri - Kiefernnadel-Spaltlippe

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mit fadenförmigen Sporen und den schwarzen Strichen an den Nadeln
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Lachnellula fuckelii - Fuckel's Nadelholzhaarbecherchen

Thomas hat diese schönen Becherchen an abgestorbenen Latschen-Zweigen entdeckt. Mit Zottos inoffiziellem Schlüssel bestimmt:
H.O.Baral (2008): DICHOTOMOUS KEY TO LACHNELLULA (worldwide). , unpublished.
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Bei den von Uschi angesprochenen Braunsporern bin ich leider kläglich gescheitert ;)

lg
andreas

Häublinge

von Bernhard »

Hallo zusammen,

noch ein Nachtrag meinerseits. Ich habe einige Häublinge mitgenommen und jetzt doch noch zwei davon bestimmt.

Weißflockiger Torfmoos-Häubling, Galerina paludosa
Auf Erde zwischen Moos am Waldsaum; Hut mit weißem Rand; Stiel flockig genattert; Sporen 8.5-10.0 x 5.1-5.5 um groß mit einem Q-Wert von 1.6-1.8;
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Geschmückter Braunhäubling, Phaeogalera stagnina
Auf Erde zwischen Moos im Moor; Sporen glatt und 12.3-15.2 x 7.2-8.9 um groß, Q = 1.5-2.0; ich meine, einen Keimporus zu erkennen. Der Pilz wird auf der Roten Liste in der Stufe 1 (CR / Critically Endangered / Vom Aussterben bedroht) geführt. Gernot hat die Art vor ein paar Jahren bereits am Sonnenkopf gefunden.
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Liebe Grüße,
Bernhard