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Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Mo 29. Dez 2025, 15:59
von Bernhard
Hallo zusammen,

gestern war ich gemeinsam mit Renate und Andreas in Gaißau unterwegs. Es war weniger winterlich als bei der November-Exkursion und am frühen Nachmittag kam sogar die Sonne heraus. Ich bin mit der Bestimmung noch nicht ganz durch, aber möchte mit euch schon einmal den Zwischenstand teilen:

Rotrandiger Baumschwamm (Fomitopsis pinicola)
Auf Totholz im Auwald.
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Birkenporling (Fomitopsis betulina)
Auf Birke im Mischwald.
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Rötende Tramete (Daedaleopsis confragosa)
Auf totem Laubholz im Auwald, mit länglichen Poren.
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Striegelige Tramete (Trametes hirsuta)
Auf Totholz im Auwald, runde Poren.
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Blutmilchpilz (Lycogala epidendrum s. l.)
Auf totem Laubholz im Auwald.
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Gelber Scheinhaarstäubling (Hemitrichia clavata)
Auf totem Laubholz im Auwald. Fokus-Stacking!
Hemitrichia clavata.jpg

Becher-Blauhaar (Pseudolachnea hispidula)
Auf totem Eichenast im Auwald. Neu für mich, daher wäre ich über eine Bestätigung froh. Mehr zu diesem Fund: viewtopic.php?t=113
Pseudolachnea2.jpg

Fleischroter Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides)
Auf totem Laubholz im Auwald. Die Fruchtkörper sind lediglich 2-3 mm groß. So klein hatte ich diesen auch noch nie, aber aufgrund der Farbe und der Sporen mit den großen Öltropfen sollte der Fall eigentlich recht klar sein.
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Soweit einmal ein erster Teil der Funde von meiner Seite.

Gruß,
Bernhard

Calycina citrina?

Verfasst: Mo 29. Dez 2025, 18:28
von Bernhard
Zitronengelbes Holzbecherchen (Calycina citrina)
Auf Totholz im Mischwald mit überwiegend Kiefer und Eiche.
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Stiellos, flach mit glattem Rand. Makroskopisch scheint es recht gut zu passen. Die Sporen sind jedoch mit 13.4-16.3 x 4.8-5.8 um signifikant zu groß. Laut Literatur, z.B. Fungi of Temperate Europe, sollten diese 9-14 x 3-5 um sein. Ebendort steht "when overmature, 2-celled with a constriction at the septum". Das scheint eigentlich wieder gut zu passen.
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Bei den Exemplaren auf Asco-Sonneberg sind die Sporen im Allgemeinen auch kleiner. Es gibt jedoch eines, beim dem die Sporen mit 11.1-15.2 x 3.8-5.2 auch recht groß sind: https://asco-sonneberg.de/pages/gallery ... position=4

Vielleicht sind überreife Sporen einfach größer? Oder es handelt sich bei diesem Pilz gar nicht um C. citrina :-(.

Gruß,
Bernhard

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Di 30. Dez 2025, 17:19
von Bernhard
Laubholz-Hörnling (Calocera cornea)
Auf totem Laubholz im Auwald; die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter; Sporen einfach septiert.
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Erlen-Kugelpilz (Daldinia petriniae)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion schwach lila, eher farblos; punktförmige hervorstehende Ostiolen; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 12.9-14.5 x 5.9-6.8 um groß, Q = 1.9-2.4; Keimspalt gerade, über die ganze Sporenlänge verlaufend; laut Wollweber und Stadler (2001) kann D. petriniae auch auf Birke vorkommen; haben diesen zwecks Bestätigung auf Pilzfinder.at hochgeladen. Ergänzung 03.01.: Wurde auf Pilzfinder.at bestätigt.
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Vielgestaltige Kohlenbeere (Jackrogersella multiformis)?
Auf Totholz (Birke) im Auwald; KOH-Reaktion braun; Sporen asymmetrisch ellipsoid und 9.2-10.7 x 4.3-5.1 um groß, Q = 1.9-2.3; Substrat und Sporen passen recht gut, aber neu für mich und daher wäre ich froh, wenn mir das jemand bestätigen könnte;
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Frühlings-Ring-Glockenschüppling (Pholiotina aporos)
Auf Erde im Auwald; Sporenpulver rostbraun, Sporen 7.1-8.6 x 4.0-4.7 groß, Q = 1.7-2.0, ohne Keimporus;
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Gruß,
Bernhard

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Mi 31. Dez 2025, 15:54
von Andreas
Danke Bernhard für die schöne Präsentation!


Ich hab da auf einem sehr morschen Eichenast am Boden eine
Nemania aureolutea gefunden, falls ich das richtig bestimmt habe...

Das Stoma ist unregelmäßig geformt und besteht aus mehr als 10 Perithezien.
Nemania aureolutea P1230606.JPG

Der Apikalring des Ascus färbt sich in Lugol blau, mit Meltzers jedoch NICHT.
Er ist höher als breit.
Nemania aureolutea Asci Lugol.jpg

Zusammen mit den Sporenmassen von
[ 14.0-14.9-15.8 ] x [ 6.1-6.7-7.1 ] Q = [ 2.0-2.2-2.5 ] N = 24
sollte das Nemania aureolutea sein, bestimmt mit dem Online-Schlüssel von Jacques Fournier und Jean-Francois Magni http://pyrenomycetes.free.fr/nemania/index.htm
Nemania aureolutea Asci h2o.jpg

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Do 1. Jan 2026, 10:56
von Renate Ammann
Panellus serotinus - Gelbzottiger Zwergknäueling, Gelbstieliger Muschelseitling
im Auwald auf totem Laubholz
Panellus serotinus Forum.JPG

Schizophyllum commune - Gewöhnlicher Spaltblättling
Spaltblättling.JPG

Trametes versicolor - Schmetterlings-Tramete
auf Totholz, ein wunderschönes Exemplar mit den Zonen
Trametes versicolor.JPG

Sterum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz
auf Totholz - Birke
Sterum hirsutum - Striegeliger Schichtpilz.JPG

Tubaria furfuracea - Gewöhnlicher Trompetenschnitzling
gleich an 2 verschiedenen Stellen gefunden, einmal in einer Gruppe von 5 Stück und ein Einzelner
Tubaria furfaracea.JPG
T. furfaracea.JPG

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Fr 2. Jan 2026, 13:45
von Andreas
Auf einem Weidenast die unregelmäßig rasig ausgebildeten Becherchen des
Rasiges Braunhaarbecherchen - Merismodes anomala
Merismodes anomala P1230638.JPG
Die braunen Haare sollten an der Spitze nicht mehr granuliert sein, so wie hier zu sehen, hab ich allerdings nur bei der Hälfte der Haare beobachten können.
Merismodes anomala CR_1000_1_3.jpg



Gut an grün verfärbenden Zweigen von Laubgehölzen zu erkennen ist der
Grünverfärbender Kohlenpilz - Lophiostoma viridarium
Lophiostoma viridarium P1230584.JPG
Die Sporen sind 3-fach septiert und längsgestreift
Lophiostoma viridarium H2O_1000_1111.jpg



An der Basis eines alten Haselstrauches die
Rotbraune Kohlenbeere - Hypoxylon fuscum
Hypoxylon fuscum P1230639.JPG
Mit KOH bernsteinfarben
Hypoxylon fuscum P1230642.JPG


Auf einem Birkenast die auffälligen Stromata des
Birken-Eckenscheibchens - Diatrypella favacea

Diatrypella favacea P1230630.JPG
Diatrypella favacea H2O_1000_1.jpg


Sehr schwierig finde ich die weißen Becherchen, hab mich erstmals ernsthaft drübergetraut. Auf einem dicken, umgefallenen Weidenstamm von Renate entdeckt.
Lachnum brevipilosum P1230596.JPG
Aufgrund der bis zur (verdickten bis kopfigen) Spitze granulierten, rauhen Haare (bis ca. 47 um Länge gemessen) hab ich bei Lachnum gesucht.
Lachnum brevipilosum Haare H2O.jpg
Mit Sukova (2005) und dem Word-Schlüssel mittels "Key to European species of Lachnum" bei Ascofrance zu finden bin ich mit Bauchweh beim
Langstieliges Haarbecherchen - Lachnum brevipilosum
gelandet.


Asci IKI+, ca. 55x4.7, Paraphysen bis ca. 3 um breit und ca. 10 um die Asci überragend.
Lachnum brevipilosum asci cr.jpg

Sporen: [ 8.3-9.3-10.8 ] x [ 2.5-2.8-3.2 ] Q = [ 3.0-3.4-3.8 ] N = 25
Lachnum brevipilosum sporen_Lugol.jpg

Wäre sehr froh über Kommentare bzgl. der Bestimmung von Lachnum und dergleichen...

Danke!

lg
andreas

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Fr 2. Jan 2026, 14:08
von Andreas
Was ich noch zeigen wollte, die wunderschönen Konidiosporen als schwarzer Belage auf einem (Birken?)-Ast, vielleicht kennt das jemand?
P1230628.JPG
H2O_1000_1_3.jpg

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 12:21
von Bernhard
Hallo Andreas,

da ist ja allerhand Spannendes dabei.

Lachnum ist ja bekanntermaßen keine einfache Gattung und ich bin diesbezüglich auch noch recht unerfahren. Trotzdem habe mich vor Weihnachten dann doch auch an eine herangewagt und diese auf Funga Austria gepostet: https://www.funga-austria.at/viewtopic.php?f=39&t=770

Meine ist deinem Fund sehr ähnlich und ich bin mit meiner Bestimmung auch bei Lachnum brevipilosum gelandet. Ich bin gespannt, ob einer der Experten dort meinen Fund bestätigen kann. Bisher habe ich noch keine Antwort erhalten.

Gruß,
Bernhard

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Sa 3. Jan 2026, 15:57
von Uschi
liebe ExkursionsteilnehmerIn vom Rheinholz
eure Begehung war wohl sehr erfolgreich und spannend. Wirkliche Hilfe bei den offenen Fragen bin ich überhaupt nicht, da ich mich zu wenig mit Ascomyceten beschäftige.

Laubholz-Hörnling (Calocera cornea) von Bernhard
"... die orange Farbe hat mich anfangs etwas irritiert, aber vermutlich sind die Fruchtkörper schon etwas älter"

alle diese Gallertartigen gelben Pilze wie die Hörnlinge (Calocera), Gallerttränen (Dacrymyces), gelber Zitterling (Tremella mesenterica) etc. werden beim antrocknen orange bis richtig dunkelorange und dann natürlich auch verschrumpelt wenn sie ganz trocknen. Die orange Farbe hat weniger mit dem Alter zu tun als eben mit der Trockenheit. Ins Alter (bei genug Feuchtigkeit) können diese Pilze sogar zerfließen und werden dann heller - Beispiel Dacrymyces stillatus.

LG Uschi

Re: Funde vom Rheinholz bei Gaißau

Verfasst: Mo 5. Jan 2026, 19:53
von Bernhard
Andreas hat geschrieben: Fr 2. Jan 2026, 14:08 Was ich noch zeigen wollte, die wunderschönen Konidiosporen als schwarzer Belage auf einem (Birken?)-Ast, vielleicht kennt das jemand?
Hallo Andreas,

vielleicht etwas in Richtung Prosthemium betulinum, die Anamorphe von Pleomassaria siparia? Die Konidiensporen sind den deinen recht ähnlich und Birke würde auch passen.

Aus: http://ascofrance.fr/uploads/forum_file ... a-0001.pdf
"ANAMORPHIC STAGE. Conidiomata pycnidial, subperidermal, globose to depressed globose, 645–750 μm high, 1420–1800 μm in diameter. Conidiophores unbranched, hyaline, septate. Conidia brown, staurosporous, 56–86 μm in diameter (mean = 71.5 μm, n = 50), with two main arms and 2 or 3 smaller arms. Main arms 37.0–47.5 × 11.5–15.0 μm (mean = 41.5 × 14.0 μm, n = 50), 4–5 transversely septate, with terminal cell hyaline to pale brown. Smaller arms continuous or 1–3 septate, hyaline to pale brown (Fig. 2)."

Oder Prosthemium canba (from the Japanese common name “Kanba (Canba)” meaning birch)?
https://www.jstage.jst.go.jp/article/my ... 46248/_pdf

Gruß,
Bernhard